Hörenswert: CéU - „Vagarosa“
OK. CéU (zu deutsch: Himmel!)kommt aus Brasilien, sieht super aus und hat eine wirklich schöne Stimme. Ihre Debut-CD „CéU“ wurde von der Fachpresse schwer umjubelt. Audio und Stereoplay machten das Album zur CD des Monats. Des Weiteren wurde „CéU“ zusätzlich für den Grammy und den Latin Grammy nominiert und die Jury der Deutschen Schallplattenkritik ehrte CéUs Debüt 2008 mit ihrem Jahrespreis. Soweit ist das im Tonträger-Dschungel noch nichts Besonderes. Alles Brasilectro, oder was? Mitnichten. Denn das Album „Vagarosa“ hat aufgrund seines satten Sounds recht wenig mit dem allzu oft bedienten brasilianischen Klang-Klischee gemeinsam.
Natürlich lässt es sich etwas entspannter produzieren, wenn bereits das erste Album so viel Anklang fand. Auch auf „Vagarosa“ arbeitete CéU wieder mit ihrem Lieblingsproduzenten Beto Villares zusammen, der anscheinend keine Scheu davor hat Musik mit Ecken und Kanten zu schaffen. „Vagarosa“ ist folglich alles andere als ein durchproduziertes Studioalbum, sondern scheint viel mehr auf Vielfalt und auf den Ideenreichtum der mitwirkenden Musiker zu setzen, die alle aus dem weiteren Umfeld São Paulos stammen. Dass Villares den Musikern genügend Raum zur Entfaltung gegeben hat, fällt schon bei den ersten Stücken des Albums sehr positiv auf. Dabei steigt die Intensität von „Vagarosa“ stetig an. Im letzten Stück des Albums „Espaconave“ paart sich CéUs Stimme sogar in einem Unisonopart mit einer verzerrten Gitarre, was bei den üblichen Produktionen vom Zuckerhut nicht denkbar wäre.
Nach dem Abklingen der absolut zu Tode vermarkteten Brasilectro-Lounge-Sparte mit ihrem Klangtapeten-Charakter können wir uns um so mehr an „Vagarosa“ erfreuen, das endlich die ausgetretenen Pfade der Musikindustrie verlässt und uns mit einem kraftvollen Mix aus Reggae, Rock, Jazz, Hip-Hop (und natürlich auch Bossa) ungemein erfrischt.
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